10 Tage Indien – Ein Besuch in der Partnerschule

Eine 14-köpfige Reisegruppe des Gymnasiums Mariano-Josephinum besuchte vom 13.-24 Juli 2026 die Partnerschule in Neerpair und weitere Orte in Indien. In ihrem persönlichen Reisebericht schildert Cordula Witte die Begegnungen und Eindrücke dieser zehntägigen Reise.

Besuch in der Dr. R. Arulappa Schule in Neerpair.

Ein Reisebericht von Cordula Witte

Für zehn Tage in den Sommerferien ist unsere Reisegruppe bestehend aus 14 Personen eingetaucht in die farbenfrohe Welt Indiens. Natürlich haben wir im Indischen Ozean gebadet und Weltkulturerbestätten besichtigt. Selbstverständlich haben wir das bunte Treiben auf den Straßen bewundert, uns über so manches unkonventionelles Transportfahrzeug amüsiert und kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen, dass Kühe obligatorisch Vorfahrt haben.

Aber vor allem haben wir den weiten Weg auf uns genommen, um unsere Partnerschule – die Dr. A. Arulappa Higher Secondary School – zu besuchen. Unglaublich herzlich werden wir von den Indern mit einer Parade empfangen und bekommen ein umfangreiches Programm mit zahlreichen Tanzdarbietungen zu sehen. Der neu angeschaffte Schulbus, für den auch wir zwei Jahre lang Geld gesammelt haben, tritt seine erste Fahrt an und fährt uns als Ehrengäste einmal über das Schulgelände.

Noch interessanter ist für uns der zweite Tag in der Schule. Wir besuchen die hervorragend renovierte Grundschule, die nun mit einem regendichten Dach versehen ist. Danach dürfen wir in der Sekundarschule am Unterricht teilnehmen. Die Schüler sitzen eng gedrängt in den Reihen und lauschen aufmerksam dem Lehrervortrag. Ab und zu stellt die Lehrerin eine Frage, die mit zwei bis drei Begriffen beantwortet werden kann. Die richtige Antwort wird von der gesamten Klasse repetiert. Ein Unterricht, der an einer deutschen Schule undenkbar wäre.

Wir erfahren, dass die Schule sowohl für die Oberstufe mit 95 % als auch für die 10. Klasse mit 94 % für indische Verhältnisse ausgezeichnete Abschlussquoten erreicht hat. Der Stolz der Inder ist deutlich zu spüren und auch wir empfinden ein wenig Stolz.

Uns werden die neu errichteten Mädchentoiletten gezeigt und auch die renovierten Jungentoiletten dürfen wir besichtigen. Es ist deutlich, dass die Schule auf einem sehr guten Weg ist. Um die Schüler für die Zukunft fit zu machen, ist ein Computerraum geplant. Bisher gibt es nur zwei Computerarbeitsplätze für die Schüler. Jetzt sollen 20 Arbeitsplätze eingerichtet werden, die jeweils ca. 600 Euro kosten werden.

Aber nicht allein das Vorankommen der Partnerschule erfreut uns, sondern auch das sonntägliche Treffen mit den ehemaligen Schülern, die sich in einer „We-Group“ zusammengeschlossen haben. Sie alle sind dankbar dafür, eine Chance im Leben bekommen zu haben. Viele von ihnen bestreiten ihren Lebensunterhalt durch eine gute Arbeitsstelle. Und sie alle sind der festen Überzeugung, dass den Kindern aus armen Verhältnissen und insbesondere den Kindern aus der untersten Kaste (den Dalits) nur durch Bildung geholfen werden kann. Diese Ehemaligen bilden ein Netzwerk für die Schule, gelegentlich vermitteln sie Ausbildungs- und Arbeitsstellen für die Absolventen. Sie spenden Geld und bezahlen auch mal die Schulgebühren für die Kinder der Schule. Die Stärke dieser Gemeinschaft ist deutlich zu spüren, die Stimmung ist hervorragend. Wir werden bekannt gemacht mit Professoren, Richtern, Ärzten, Informatikern und Lehrern. Für uns ist es überwältigend zu sehen, wie viele Menschen ein gutes Leben führen können, weil es die Dr. Arulappa High gibt.

Wie dringend manche indische Kinder Hilfe benötigen, wird uns auf dieser Fahrt bewusst, als wir einen Slum in Chennai besuchen. Ein ehemaliger Schüler unserer Partnerschule zeigt uns seine ehemalige „Wohnung“ im Slum. Einige von uns kämpfen mit den Tränen: der Müll, der Dreck, die kleinen Verschläge – kein Tier in Deutschland ist so schlecht untergebracht. Über die medizinische Versorgung im Slum mögen wir nicht nachdenken. Wir sind alle betroffen und die Relevanz unserer Partnerschule steht uns deutlich vor Augen.

Nach zehn Tagen voller neuer Erfahrungen und neuer Eindrücke verlassen wir Indien wieder. Die Herzlichkeit und Dankbarkeit der Inder nehmen wir in unseren Herzen mit nach Deutschland. Jeden Morgen und jeden Abend beten die Kinder im Wohnheim für ihre „German Friends“. Wir sind sehr dankbar für die Begegnungen der letzten Tage.

Cordula Witte

Deutsche Reisegruppe zu Besuch in Indien.