Eine kleine Gruppe des Gymnasiums Mariano-Josephinum verbrachte während der gemeinsamen Indienreise vom 13.-24 Juli 2026 eine Nacht im St. John’s Home, dem Kinderwohnheim der Partnerschule in Neerpair. Johanna Müller, Schülerin der Q1, und die ehemalige Schülerin Angelina Brückner berichten vom Alltag mit den Kindern, den persönlichen Begegnungen und einer Nacht, die ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist.

Ein Reisebericht von Johanna Müller und Angelina Brückner
Gleich zu Beginn unserer Indienreise durften wir Schüler, die ehemaligen Schüler und Lehrer von uns eine Nacht im St. John’s Home, dem Wohnheim unserer Partnerschule in Neerpair, verbringen.
Nachdem wir tagsüber überwältigend an der Schule empfangen wurden und einem tollen Showprogramm der Schüler*innen zusehen durften, haben wir uns mit gepackten Rucksäcken und voller aufgeregter Vorfreude vom Rest der Reisegruppe verabschiedet, der mit dem Bus zurück ins Hotel fuhr. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, was für bewegende und einmalige Stunden vor uns lagen.
Der Bus war noch nicht außer Sichtweite, da wurden wir schon von den Kindern und Jugendlichen aus dem Wohnheim umringt. Wir habe noch nie in so viele strahlende Gesichter gesehen wie an diesem Nachmittag. Jeder wollte uns die Hand geben, hat sich vorgestellt und auf Englisch so viele Fragen gestellt wie nur irgendwie möglich. Sie haben mit uns gelacht, getanzt und uns sofort liebevoll in ihr Zuhause aufgenommen. Da ihre Familien zu weit von der Schule entfernt wohnen oder sie aus unterschiedlichsten anderen Gründen nicht zu Hause wohnen können, leben sie nämlich die meiste Zeit des Jahres im St. John’s Home. So haben sie die Möglichkeit am Unterricht teilzunehmen und gleichzeitig ein sicheres Zuhause.
Bald mussten sich die Kinder allerdings ihren Evening-Jobs zuwenden, denn die Tage sind streng durchgeplant und Haus und Garten müssen gepflegt und sauber gehalten werden. Fleißig wuselten sie also mit ihren Besen über das Gelände, während wir unsere Zimmer im ersten Stock beziehen durften.
Wir würden die Nacht in zwei Kammern mit Metallbetten und Moskitonetzen verbringen, ein ziemlicher Luxus im Vergleich zu den Schlafsälen im Erdgeschoss. Diese sind für dreißig Jungen oder Mädchen ausgelegt und alle schlafen, wie in Indien weit verbreitet, auf dem Boden.
Nachdem uns Father Charles, der Leiter des Wohnheims, die wunderschöne – wenn auch unter der aktuellen Trockenheit leidende – Anlage gezeigt hatte und wir auch von den Affen aus dem umliegenden Wald begrüßt worden waren, wurden wir wieder nach unten gebeten. Die Schüler*innen hatten sich extra für uns noch weitere Tänze, Lieder und Reden überlegt, die sie voller Stolz präsentierten. Besonders laut wurde der Applaus aber, als wir Gäste dann spontan für eine kurze Vorstellung auf die Bühne gebeten wurden. Nach ein paar Infos über uns, die Indien-AG und unsere Schule in Deutschland sollten wir deutsche Lieder für sie singen, was bei so einem herzlichen Publikum viel Spaß gemacht hat.
Als Abschluss haben wir den Kindern noch Fragen gestellt, um etwas mehr über sie zu erfahren. Dieser Teil des Abends war für uns am beeindruckendsten:
„Ich werde wohl nie vergessen, wie glücklich sie davon erzählt haben, was ihnen am meisten an der Schule gefällt und was ihr Traumberuf ist: Von Arzt über Priester, bis Fußballstar war alles dabei.“ Johanna
„Für mich bleiben besonders die Antworten auf die Frage, welchen Beruf die Kinder später einmal ausüben wollen, im Gedächtnis. Jurist, Polizist, Priester, Ärztin. Alles Beispiele für Berufe, die sie ohne die Schulbildung später nicht ausüben könnten.“ Angelina
Obwohl die Sonne schon lange untergegangen war, wurde es auch danach einfach nicht kühler und trotz Ventilatoren konnten wir bei der Hitze und Luftfeuchtigkeit unter unseren Moskitonetzen wenig bis gar nicht schlafen, sodass wir am nächsten Morgen alle müde waren. Die Müdigkeit verdrängten wir jedoch schnell, denn das nächste Highlight wartete auf uns: Yoga mit den Kindern auf der Dachterrasse. Das war ein wunderschöner und entspannter Start in den Tag bevor die Schüler*innen ihren Morning-Jobs nachgingen und sich für die Schule fertig machten.
Wir fünf haben dann in Ruhe unser Frühstück genossen, für das extra Cornflakes und Toast eingekauft worden war – eine aufmerksame Geste und bei all den indischen Gewürzen eine willkommene Abwechslung für uns.
Nachdem wir mit der ganzen Reisegruppe den Unterricht und die umliegenden Dörfer besucht hatten und über die spannenden, kreativen Projekte staunen durften, die die Schüler*innen uns in Form einer Sience-Ausstellung präsentierten, hieß es dann viel zu bald Abschied nehmen. Unseren neugewonnenen Freunden mussten wir versprechen, sie nicht zu vergessen und ganz bald wiederzukommen.
„Ich persönlich werde immer mit einem Lächeln an diese Übernachtung zurückdenken, an diese herzlichen und starken Kinder, die es wagen zu träumen und an die Priester und Mitarbeiter, die ihnen eine wirkliche Oase schaffen, in der sie lernen und wachsen aber vor allem auch einfach mal Kind sein dürfen. Ohne das St. John’s Home und die Schule würde ihre Zukunft ganz anders aussehen, aber so können diese Kinder die erste Generation ihrer Familie sein, die einen Schul- und vielleicht sogar Uniabschluss haben. Diese Zuversicht war die ganze Zeit zu spüren und wir sind unglaublich dankbar für die offenen Arme, mit denen wir empfangen wurden.“ Johanna
„Die Zeit, die wir mit den Kindern verbringen durften, war für mich mit die intensivste und eindrucksvollste Zeit der Reise. Die direkten individuellen Begegnungen, die kurzen Gespräche und die überwältigende Gastfreundschaft sind Eindrücke, die mir besonders im Gedächtnis bleiben werden.“ Angelina
Johanna Müller, Q1
Angelina Brückner, ehemalige Schülerin

